Sightings
Sightings
Upstream Gallery freut sich, Sightings zu präsentieren, eine neue Einzelausstellung von Jan Robert Leegte, die auf seiner gefeierten Präsentation auf der Art Basel | Zero 10 (Juni 2026) aufbaut. Für die Galerie in Amsterdam erweitert Leegte die Werkgruppe um neue Arbeiten aus der Serie Sightings und zeigt die digitale Arbeit Orbits als Multiscreen-Installation.
Sightings
Fast jedes Foto, das Sie jemals online gesehen haben, hat eine JPEG-Kompression durchlaufen: jenen unsichtbaren, seit den frühen 1990er-Jahren genutzten Prozess, der Bilder so weit verkleinert, dass sie durch das Internet reisen können. Kompression bildete somit die unsichtbare Infrastruktur des bildbasierten Internets; ohne sie gäbe es keine sozialen Medien, keine Online-Fotografie und keine KI-generierten Bilder im Netz. Ursprünglich wurde die JPEG-Kompression für Fotografien entwickelt. Sightings kehrt dieses Verhältnis um. Mittels eines deterministischen generativen Systems erzeugt Leegte Bilder, die fotografisch wirken, ohne Fotografien zu sein: kein Ausgangsfoto, keine reale Szene, nichts, was festgehalten worden wäre. Und doch wirken die Ergebnisse unverkennbar wie ein flüchtiger Blick: das Flimmern eines über seine Grenzen hinaus beanspruchten Teleobjektivs, das Schimmern von Deep-Field-Aufnahmen des Hubble-Teleskops, Standbilder von Aufklärungssatelliten, Aufnahmen im Extremzoom – stets ein wenig zu stark komprimiert, um eindeutig zu sein.
Als „Sighting“ bezeichnet man das Bild von etwas, das sich nicht zweifelsfrei identifizieren lässt – etwas Gesehenes, aber Unbestätigtes. Sightings generiert diesen Zustand von Grund auf. Es ist kein Foto von etwas Unscharfem; es ist die Unschärfe selbst, gegossen in die Gestalt einer Fotografie. In einer Zeit, in der KI-generierte Bilder der Frage nach der Glaubwürdigkeit von Bildern eine neue Dringlichkeit verliehen haben, erinnert Sightings daran, dass das unheimliche Verhältnis zwischen Code und Bild schon lange davor existierte.
Orbits
Während Sightings in eine fotografische Welt hineinzieht, öffnet Orbits ein Fenster zu etwas, das nie aufgezeichnet wurde. Eine 3D-Szene einander umkreisender Sphären wird in Echtzeit generiert und zehnmal pro Sekunde komprimiert. Es gibt keine Quelldatei, kein aufgezeichnetes Material: Die Welt existiert nur in dem Moment, in dem der Codec sie erzeugt – Bild für Bild ins Dasein gerufen und komprimiert. Das Ergebnis bewegt sich irgendwo zwischen einer Weltraumübertragung und einer Science-Fiction-Erinnerung: ein Planet, flüchtig erblickt durch extreme Signaldegradation.
Leegte beschreibt es so: „Endlose Kreisbewegungen in der Natur entspringen zwei Quellen: Sie werden entweder von Himmelsbewegungen wie jenen von Sonne oder Mond geleitet, oder sie sind menschengemacht.“ Für den Künstler ist es eben diese Verwandtschaft mit der Himmelsmechanik, die solche Schleifen so faszinierend macht – ob in Windmühlen, Wassermühlen, Dampfmaschinen, Dynamos, Uhren oder im Computerprozessor.
Künstliche Bewegung, so Leegte, setzt bei zehn bis zwölf Bildern pro Sekunde ein – jener Frequenz, die Plateau und Stampfer in den 1830er-Jahren als Schwellenwert identifizierten, ab dem der Verstand aus diskreten Einzelbildern Kontinuität konstruiert, und damit den Grundstein für Animation und Film legten. Orbits erscheint als eine Szene, die nie existiert hat: eine vertraute Bewegung unbestimmbaren Ursprungs, eine Welt, die nur im Augenblick ihrer Kompression existiert – und nur kreist, weil wir zusehen.
Lesen Sie unser Interview mit dem Künstler hier.
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