Textura (Lange Voorhout 102)
Textura (Lange Voorhout 102)
Textura (Lange Voorhout 102)
Hoda Afshar, Diane Cescutti, Koenraad Dedobbeleer, Lynnée Denise, Florian Hecker & Marcin Pietruszewski, Josh Kline, Sondra Perry, Johann Wilhelm Ritter
Ausstellung
05.09.2026 — 26.12.2026
Eröffnung
05.09.2026, 19:00 Uhr
Ort
West Den Haag in der ehemaligen US-Botschaft, Lange Voorhout 102, Den Haag
Textura ist ein internationales, transdisziplinäres Projekt von West Den Haag, das sich der Kunst aus einer philosophischen und theoretischen Perspektive nähert. Philosophie dient dabei nicht der Erklärung von Kunst, sondern fungiert als Methode, um bestehende Begriffe zu befragen, Grenzen zu verschieben und neue Einsichten zu eröffnen. Den Ausgangspunkt für Textura 2026 bildet das Konzept des „Worlding“, mit besonderem Fokus auf das Werk der Philosophin Gayatri Chakravorty Spivak.
Aus dieser Perspektive bringt Textura Künstlerinnen, Autorinnen, Denkerinnen und andere Akteurinnen verschiedener Disziplinen und Kontexte zusammen. Dem Projekt liegt die Vorstellung zugrunde, dass Differenz und Widerspruch der Kunst nicht entgegenstehen, sondern vielmehr ihren eigentlichen Ursprung bilden. Wo Perspektiven divergieren, entsteht Raum für Kunst – dort, wo Bedeutungen sich verschieben und tradierte Formen aufgebrochen werden können.
Der Titel Textura verweist auf das lateinische Wort für Gewebe oder Gefüge, das den kuratorischen Ansatzpunkt des Projekts grundlegend prägt. Jeder Beitrag wird bewusst als autonome Praxis präsentiert, während die Begegnungen, Resonanzen und Spannungen zwischen den unterschiedlichen Werken und Disziplinen die Kohärenz des Projekts stiften. Manche Verbindungen sind unmittelbar erfahrbar, andere erschließen sich erst in der nachträglichen Erfahrung des Publikums. Textura führt verschiedene Momente innerhalb des Programms von West zusammen. Einige Beteiligte haben bereits zuvor Arbeiten bei West gezeigt und kehren in einer neuen Konstellation zurück. Andere werden durch das Projekt erstmals eingeführt und künftig vertieft vorgestellt. Zudem wird das Programm um neue Künstlerinnen erweitert. Auf diese Weise verbindet Textura nicht nur diverse Praktiken, sondern auch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die unterschiedlichen Hintergründe und Arbeitsweisen der Künstlerinnen werden dabei nicht unter einer einheitlichen Definition von Kunst subsumiert. Vielmehr bildet gerade die Koexistenz differenter künstlerischer, literarischer und intellektueller Positionen den Ausgangspunkt von Textura.
Das Projekt ist Teil unseres vierjährigen Forschungsprogramms „Worlding Art“. Im Rahmen dieses Programms begreift West Kunst als soziales und menschliches Phänomen, das nicht allein von Künstlerinnen oder Institutionen bestimmt wird. Auch Besucherinnen, Gemeinschaften, historische Konstellationen und breitere kulturelle Verständnisse tragen dazu bei, was als Kunst verstanden wird, welche Bedeutungen ihr zukommen und wie der Kunstbegriff definiert und abgegrenzt wird. Das Konzept des „Worlding“ bietet einen Zugang, die Welt nicht als statisch zu verstehen, sondern als ein Gefüge, das sich durch Beziehungen, Perspektiven und Prozesse der Bedeutungsstiftung unablässig formiert. Aus diesem Blickwinkel fragt Textura nicht nur danach, was Kunst ist, sondern vor allem, wie neue Kunstwelten entstehen.
Diese Offenheit prägt auch die formale Struktur des Projekts. Parallele Präsentationen bilden seinen Ausgangspunkt, während sich Textura durch Publikationen, Gespräche, Symposien, Performances und weitere Vermittlungsformate stetig weiterentwickelt. Es ist eine Struktur, die darauf angelegt ist, zu wachsen, sich zu verschieben und neue Relationen zu stiften.
Textura entfaltet sich an verschiedenen Orten in Den Haag. Das Projekt findet sowohl in den aktuellen Räumlichkeiten von West – der ehemaligen US-Botschaft am Lange Voorhout – als auch am Spui 130 statt, dem künftigen ständigen Standort von West Den Haag. Am Spui 130 zeigt West bis zur Renovierung des Gebäudes ein temporäres Programm unter dem Titel „Testforum“. Durch die Verschränkung beider Orte wird auch der Übergang vom gegenwärtigen zum zukünftigen West integraler Bestandteil von Textura.
So begreift Textura Kunst als polyphone Praxis, in der Differenz, Widerspruch und Erneuerung keine bloßen Begleiterscheinungen sind, sondern Bedingungen für die Existenz von Kunst selbst. Wo Bedeutung erstarrt und der Raum für vielstimmige Perspektiven schwindet, verliert auch die Kunst ihr Dasein.
Beteiligte Künstler*innen:
Hoda Afshar ist eine bildende Künstlerin, deren Praxis sich den komplexen Verflechtungen von Politik und Ästhetik, Wissen und Repräsentation, Sichtbarkeit und Gewalt widmet. Sie erforscht die Weisen, wie Bildproduktion unseren Gemeinsinn entweder festigen oder herausfordern kann, sowie die Kräfte, die unsere Wahrnehmung formen. Ihre Arbeiten laden das Publikum dazu ein, innezuhalten und neu zu befragen, wie und was wir sehen – oft, indem sie den Blick auf Bereiche der politischen und sichtbaren Ordnung lenken, die bislang ausgeblendet blieben.
Diane Cescutti ist eine transmediale Künstlerin. Ihre Praxis nimmt ihren Ausgangspunkt am Webstuhl, der den historischen Grundstein des digitalen Rechnens legte. Sie zieht die Fäden aus dem Schuss ihres Computerbildschirms und führt sie zurück zum Webstuhl. Sie sucht nach dem Quellcode, der Re-Source. Durch einen spekulativen, histofuturistischen und narrativen Ansatz erforscht sie die historischen, technologischen, mathematischen und ästhetischen Verbindungen zwischen Weben, Textilien, Computern und digitaler Technologie.
Koenraad Dedobbeleer ist…
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